MGEPA Patientenbeauftragte - Patientenrechte auf Kreuzfahrtschiffen

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Büro der Landesbehinderten- und Patientenbeauftragten

Anschrift: Fürstenwall 25, 40219 Düsseldorf
Öffnungszeiten: MO-DO 8.00-15.30 Uhr, FR 8.00 -14.00 Uhr

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Patientenrechte auf Kreuzfahrtschiffen

Die Mutter von Frau B. hatte eine dreiwöchige Schiffskreuzfahrt in der Karibik gebucht. Während der Reise auf einem „deutschen Schiff“ erkrankte die Mutter  schwer, wurde zuerst in der Bordklinik medizinisch versorgt  und anschließend beim nächsten Hafenaufenthalt in eine Klinik verbracht, wo sie kurze Zeit später verstarb.

Frau B. hatte die Sorge, dass ihre Mutter aufgrund unzureichender Diagnostik bzw. falscher Behandlung auf dem Kreuzfahrtschiff in eine lebensbedrohliche Situation gekommen ist und nicht rechtzeitig eine Verlegung in eine geeignete Klinik erfolgte. Darüber hinaus wurde sie als nächste Angehörige nicht sofort über den medizinischen Notfall informiert, obwohl ihre Mutter diese Anweisung  bereits bei der Buchung der Reise beim Veranstalter hinterlegt hatte.

Ihr Versuch, Einsicht in die Patientenakte ihrer Mutter in der Bordklinik zu erhalten misslang. Die Reederei verwies sie an ein medizinisches Dienstleistungsunternehmen, das die Bordklinik im Auftrag der Reederei betrieb. Das Dienstleistungsunternehmen verwies an den behandelnden Schiffsarzt, der freiberuflich für das Unternehmen tätig war. Der Schiffsarzt, den sie nur vom Namen her kannte und nur über eine Email-Adresse kontaktieren konnte, da ihr niemand eine Landadresse zur Verfügung stellte, reagierte auf ihre Aufforderung nicht. Eine Adresssuche über die Ärztekammern in Deutschland blieb ebenfalls erfolglos.

In dieser Situation wandte sich Frau B. an den Patientenbeauftragten, um als Tochter ihr Recht auf Einsicht in die Patientenakte der Mutter durchzusetzen.

Das Büro des Patientenbeauftragten informierte Frau B., dass auf Schiffen an Bord das Recht des sogenannten Flaggenstaates gilt. In diesem Staat ist das Schiff in das nationale Schiffsregister eingetragen. Seit geraumer Zeit fährt kein „deutsches Kreuzfahrtschiff“  mehr unter deutscher Flagge. So fährt AIDA unter italienischer und „Mein Schiff“ unter maltesischer Flagge andere Kreuzfahrtschiffe fahren zum Beispiel unter der Flagge der Bahamas. Hinzu kommt, dass oftmals Schiffsärztinnen und Schiffsärzte an Bord arbeiten, die nicht Mitglied einer Ärztekammer in Deutschland sind und damit auch nicht dem deutschen Kammerrecht unterliegen.

Frau B. erhielt darüber hinaus die Kontaktdaten der Nationalen Kontaktstelle für grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung, die auf der Seite www.eu-patienten.de grundlegende Informationen für eine Behandlung in der Europäischen Union (also auch auf Schiffen unter italienischer und maltesischer Flagge) zur Verfügung gestellt. Spezielle Informationen gibt es zu vermuteten Behandlungsfehlern oder zur Einsicht in die Patientenakte.

Nationale Kontaktstellen für grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung gibt es ebenfalls in Italien und auf Malta. Hier können Betroffene Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Rechte bekommen, allerdings in der Regel nicht in deutscher Sprache!

Informationen zur rechtlichen Situation in Nicht-EU-Staaten können über das Auswärtige Amt in Berlin abgefragt werden. 

Vor diesem Hintergrund sah sich Frau B. nicht in der Lage, ihr Recht auf die Einsicht in die Patientenakte ihrer verstorbenen Mutter durchzusetzen.

Im Jahr 2017 werden fast 2 Millionen Deutsche eine Kreuzfahrt antreten. Deshalb ist es von besonderer Bedeutung, über die (Nicht-)Durchsetzbarkeit von Patientenrechten auf Kreuzfahrtschiffen Bescheid zu wissen. Informieren sie sich ggf. vor der Reise über die ärztliche Versorgung an Bord und wer ihr konkreter Ansprechpartner für den Beschwerdefall ist.

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